Als Mietnomaden bezeichnet man „Mieter“, die in eine Wohnung einziehen, ohne die Absicht zu haben, jemals die Miete zu begleichen. Geht der Vermieter gegen sie vor, ziehen sie einfach weiter in die nächste Wohnung, wo sie dieselbe kriminelle Strategie anwenden. Dass man auf einen solchen Betrüger hereinfällt kann man nie ganz ausschließen. Aber es lässt sich einiges tun, um sich vor solchen Mietnomaden zu schützen. Und sollte der Ernstfall eintreten, gilt es einiges zu beachten, damit Sie den Mietnomaden möglichst bald wieder los sind.

Überall Mietnomaden?

Verlässliche Aussagen dazu gibt es nicht, wie viele Fälle von Mietnomadentum sich jährlich in Deutschland tatsächlich ereignen. Sieht man sich die wenigen systematisch erhobenen Zahlen an, scheint die gefühlte Gefahr auf einen Mietnomaden zu treffen, deutlich höher zu sein, als die tatsächliche Gefahr. Allerdings hilft das nicht, wenn Sie ersteinmal einen Mietnomaden in der Wohnung haben. Aber mit einigen Maßnahmen können Sie sich bereits im Vorfeld davor schützen.

Fakten einholen

Holen Sie zu allererst Auskünfte und Nachweise ein, die belegen können, dass Ihr zukünftiger Mieter zahlungswillig und zahlungsfähig ist. Üblich ist es, sich vom Mieter eine so genannte Selbstauskunft geben zu lassen. In diesem vorgefertigten Formular fragen Sie zum Beispiel nach Einkommen, Arbeitgeber und nach einer Schufa-Auskunft. Auch die Fragen nach einer Verbraucherinsolvenz und einer eidesstattliche Versicherung sind erlaubt.

Lassen Sie sich zudem den Ausweis des Mieters zeigen und bitten Sie darum, eine Kopie zu bekommen. Diesem Wunsch muss der Mieter nicht zustimmen, aber aus einer Weigerung müssen Sie selbst Ihre Schlüsse ziehen. Zumal Sie mit diesen Daten leicht in (meist kostenpflichtigen) Datenbanken nach Vorfällen mit diesem Mieter recherchieren können.

Den Vorvermieter befragen

Erkundigen Sie sich nach der Adresse des vorherigen Vermieters, wenn Sie diesen selbst befragen wollen. Sie können aber den Mietinteressenten auch um eine Referenz des Vormieters bitten. Allerdings sollte Ihnen klar sein, dass ein Mietnomade mit krimineller Energie Sie auch hier auf eine falsche Spur führen kann. Andererseits könnten seriöse Mieter durch allzu umfangreiche Informationswünsche Ihrerseits abgeschreckt werden. Letztlich liegt es an Ihnen, das abzuwägen und eine gute Balance zwischen „Zudringlichkeit“ und berechtigtem Informationsbedürfnis zu finden.

Die Kaution sichern

Machen Sie Ihrem Mieter deutlich, dass die Kaution für die Wohnung zu Beginn des Mietverhältnis bar gezahlt oder auf einem Konto angelegt sein muss. Für Sie als Mieter ist das eine Sicherheitsleistung, welche maximal die Summe von drei Grundmieten betragen darf. Allerdings darf der Mieter die Kaution in 3 aufeinander folgenden Raten bezahlen, zusammen mit der Miete. Mehr dazu finden Sie im Artikel:  Ihr Mietvertrag – die Kaution.

Im Ernstfall richtig handeln

Sollte die Miete einmal ausbleiben, muss es sich keinesfalls um einen Mietnomaden handeln. Menschen können durch Krankheit, Verlust der Arbeit oder andere äußere Umstände in Zahlungsverzug geraten. Sprechen Sie also zuerst mit Ihrem Mieter. Können Sie sich einigen, sollten Sie mit dem Vermieter feste Termine absprechen und schriftlich festhalten, zu denen entsprechende Zahlungen erfolgen, um die Mietschulden auszugleichen.

Können oder wollen Sie es nicht auf diesem Weg regeln, stehen Ihnen grundsätzlich folgende Maßnahmen zur Verfügung:

  • Nach der ersten versäumten Zahlung können Sie dem Mieter eine Frist von 10 Tagen einräumen, um seine Schulden auszugleichen. Versäumt er dies, können Sie die ordentliche Kündigung aussprechen.
  • Hat der Mieter bereits 2 fällige Mietzahlungen nicht beglichen, sind Sie berechtigt, ihn fristlos zu kündigen. Es muss dann innerhalb 14 Tagen die Wohnung räumen.

Die Räumungsklage

Geht der Mieter nicht freiwillig, ist die Räumungsklage der nächste Schritt. Diese kann sich allerdings über Monate hinziehen. Von der Räumungsklage bis zur tatsächlichen Räumung kann es 5 Monate und länger dauern – je nachdem, ob der Mieter Widerspruch einlegt. Zusammen mit der Räumungsklage wird eine Gerichtskostenvorschuss, meist mehrere hundert Euro, fällig, den der Vermieter zu zahlen hat. Gleichzeitig mit der Räumungsklage können Sie auch eine Nutzungsentschädigung für die entgangene Miete einklagen.

Wird die Räumung schließlich vollzogen, geschieht dies per Gerichtsvollzieher. Ein Fachmann tauscht dann die Türschlösser aus und ein Umzugsunternehmen lagert den Wohnungsinhalt ein. Da der Vermieter hierfür (zunächst) die Kosten trägt, welche bereits für den Umzug und die Einlagerung ein paar tausend Euro betragen können, lohnt sich der Blick auf eine andere Art von Räumungsklage: Das so genannte Berliner Modell ist wesentlich kostengünstiger. Dabei entfernt der Gerichtsvollzieher lediglich den Mieter aus der Wohnung und lässt die Schlösser austauschen. Als Vermieter können Sie dann die Hinterlassenschaft des Mieters in der Wohnung belassen oder auch einlagern.

Fachliche Hilfe suchen

Beim richtigen Umgang mit Mietnomaden kann man einiges falsch machen und schnell sind ein paar weitere Monate mit Mietausfall vergangen. Deshalb ist es sinnvoll, sich fachlichen Beistand zu suchen – zum Beispiel bei einem Vermieterverein – um zur richtigen Zeit die richtigen Schritte zu tun.

Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und erstellt. Wir können jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben übernehmen. Eine Haftung ist somit ausgeschlossen.

 

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